Rechte kennen, Klarheit gewinnen, sicher auftreten
Wenn du gerade vielleicht erst die Diagnose Autismus für dein Kind bekommen hast, dann geht es dir wahrscheinlich wie vielen Eltern. Es stürmen viele Begriffe auf dich ein und es gibt unterschiedliche Zuständigkeiten. Da ist es nur verständlich, dass du verunsichert bist. Auch der Umgang mit dem Jugendamt ist dir nicht geläufig.
Da entsteht ganz schnell das Gefühl von „Ich verstehe das alles nicht.“ „Wer ist nun wirklich zuständig?“ „Wo darf ich nachfragen und wer hilft mir?“
Genau hier kommt der Verfahrenslotse ins Spiel. Seit Januar 2024 werden bei den Jugendämtern Verfahrensloten eingerichtet. Das sind Mitarbeiter des Jugendamtes, die dich und deine Familie dabei unterstützen, die richtigen Hilfen zu finden, und dir zeigen, wie du zu diesen Leistungen kommst. Er hilft dir also in der Orientierungsphase.
Was ist ein Verfahrenslotse? Aufgaben und gesetzliche Grundlage
Vielleicht hast du den Begriff schon gehört – und dich gefragt:
Ist das wieder so ein neues Wort aus dem Behördendeutsch?
Ein Verfahrenslotse ist tatsächlich noch nicht lange gesetzlich verankert.
Seit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz gibt es im § 10b SGB VIII einen klaren Auftrag: Familien mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern sollen im Antrags- und Hilfeprozess besser begleitet werden.
Und genau hier setzt der Verfahrenslotse an.
Seine Aufgabe ist es, Eltern Orientierung zu geben.
Er berät, erklärt Abläufe und unterstützt im Verfahren rund um Leistungen der Eingliederungshilfe oder andere Teilhabeleistungen.
Das bedeutet konkret:
- Er hilft dir, Anträge zu verstehen.
- Er erklärt dir, welche Schritte als Nächstes folgen.
- Er begleitet dich im Hilfeplanverfahren.
- Er unterstützt dich dabei, Zuständigkeiten zu klären.
Wichtig ist mir an dieser Stelle eine klare Einordnung:
Ein Verfahrenslotse ist kein Entscheider.
Er bewilligt keine Leistungen.
Er ersetzt auch keinen Anwalt.
Er ist auch nicht „die Behörde“.
Er ist eine beratende Unterstützung innerhalb der Jugendhilfe – mit dem Ziel, dass du dich im Verfahren nicht allein fühlst und besser verstehst, was passiert.
Gerade im Kontext von Autismus, wenn viele Fachbegriffe, Gutachten und Zuständigkeitsfragen auf einmal auftauchen, kann diese Orientierung entlastend sein.
Und dennoch – das möchte ich bewusst sagen – ein Verfahrenslotse nimmt dir nicht deine Rolle als Mutter oder Vater ab.
Er kann dir den Weg erklären.
Gehen darfst du ihn weiterhin selbst.
Aber vielleicht eben nicht mehr ganz so unsicher wie zuvor.
Wer hat Anspruch auf einen Verfahrenslotsen?
Das ist eindeutig geregelt. Eltern von Kinder mit (drohender) Behinderung, mit seelischer Behinderung (z.B. Autismus) und körperlicher und/oder geistiger Behinderung.
Viele Eltern wissen nicht, dass sie diese Unterstützung einfordern dürfen.
Doch gerade, wenn dein Kind die Autismus-Diagnose bekommen hat, braucht es unterschiedliche Unterstützung. Natürlich kommt es auf die Ausprägung an. Doch gerade, weil man nicht für jeden Autisten die gleiche Hilfe benötigt, ist eine Aufklärung, welche Möglichkeiten es gibt, so wichtig.
Du hast also den Rechtsanspruch auf dies Beratungsleistung.
Welche Aufgaben übernimmt ein Verfahrenslotse konkret?
-> Er unterstützt vor Antragstellung
Ein Verfahrenslotse kann dich bereits begleiten, bevor überhaupt ein offizieller Antrag beim Jugendamt oder Sozialamt gestellt wird.
Also in genau der Phase, in der viele Eltern denken:
- „Brauche ich das überhaupt?“
- „Was steht mir eigentlich zu?“
- „Wo muss ich den Antrag stellen?“
- „Welche Unterlagen brauche ich?“
- „Mache ich etwas falsch, wenn ich das beantrage?“
Diese Phase ist oft die unsicherste.
Der Verfahrenslotse kann dann:
- dir erklären, welche Leistungen grundsätzlich in Frage kommen (z. B. Eingliederungshilfe, Schulbegleitung)
- mit dir klären, welcher Kostenträger zuständig ist
- dir helfen, deine Situation einzuordnen
- dich auf das Hilfeplanverfahren vorbereiten
- offene Fragen sortieren, bevor etwas offiziell „in Gang gesetzt“ wird
Das Ziel ist:
Du stellst keinen Antrag ins Blaue hinein, sondern informierst dich vorher strukturiert.
-> Er klärt zum einen die Zuständigkeit – Jugendamt oder Sozialamt?
Warum das so ist? In den einzelnen Bundesländern ist mal das Jugend-, mal das Sozialamt zuständig.
-> Er kann die Bescheide und Fachbegriffe erklären.
Gerade bei Autismus ist das hilfreich, weil viele Familien nicht wissen:
- Ist das jetzt § 35a?
- Geht das über das Jugendamt oder das Sozialamt?
- Was bedeutet „seelische Behinderung“ überhaupt?
Wichtig zu wissen:
- Er trifft keine Entscheidungen
- Er setzt keine Ansprüche durch, wie ein Anwalt
- Er soll Orientierung geben.
Ist ein Verfahrenslotse kostenlos?
Ja, es handelt sich um eine gesetzliche Leistung und die Beratung ist kostenfrei.
Beim Jugendamt wurden die Verfahrenslotsen angesiedelt, das heißt, hier findest du deinen zuständigen Berater.
Verfahrenslotsen bei Autismus: Wann ist er besonders hilfreich?
Es gibt unterschiedliche Szenarien, wo ein Verfahrenslotse unterstützen kann.
Ich möchte dir ein paar Beispiele geben, damit du eine bessere Vorstellung bekommen kannst.
Ein Verfahrenslotse kann dich unterstützen, wenn du einen Schulbegleiter für dein Kind beantragen möchtest. Nicht alle Autisten benötigen einen Schulbegleiter. Wir haben ihn als sehr hilfreich über einige Schuljahre erlebt und hätten ihn nicht missen wollen.
Er kann dich auch unterstützen, wenn dir die Zuständigkeit nicht klar ist.
Wenn du Unterstützung vom Jugend- oder Sozialamt bekommst, dann kommen in bestimmten Abständen Hilfeplan-Gespräche auf euch zu. Sie dienen dem Amt, Ziele für die Unterstützung festzulegen und in Abständen zu schauen, wie sind die Fortschritte. Im Regelfall wird dich die Autismus-Therapeutin bei so einem Gespräch unterstützen. Doch vielleicht habt ihr noch keinen Platz in der Autismus-Therapie bekommen und dann kann auch der Verfahrenslotse dich begleiten.
Solltest du einen Bescheid vom Amt bekommen, den du inhaltlich nicht verstehst, dann ist auch der Verfahrenslotse ein guter Ansprechpartner.
Du siehst, er kann dir in unterschiedlichen Situation zur Seite stehen.
Warum viele Eltern ihren Anspruch noch nicht kennen?
Zum einen kann es gut sein, dass bei dir in der Region der Verfahrenslotse noch nicht etabliert wurde. Die Regierung hat sich vorgenommen, Verfahrenslotsen bis Ende 2027 in allen Jugendämtern zu installieren.
Zum anderen gibt es hier eine eindeutige Informationslücke. Keiner sagt einem, dass es diese Berater gibt.
Und manchmal weiß man zwar um so eine Hilfe, vergisst sie aber, wenn man selbst in die Situation kommt, in der man Hilfe in Anspruch nehmen muss. Hier also meine kleine Erinnerung an dich ☺️.
Wann ist ein Verfahrenslotse sinnvoll – und wann brauchen Eltern etwas anderes?
Du hast jetzt viel darüber gelesen, was ein Verfahrenslotse macht und wann er für dich tätig werden könnte.
Sicher ist, ein Verfahrenslotse kann Orientierung geben.
Doch er stärkt nicht automatisch deine innere Haltung und er nimmt dir auch nicht deine Unsicherheiten.
Manchmal brauchen Eltern Mut, Klarheit und innere Kraft, um sich wieder als Expertin, als Experte für ihr Kind zu fühlen.
Wenn du das brauchst, dann bist du bei mir genau richtig.
Für mich steht fest: Geht nicht, gibts nicht!
Wenn du also einem Punkt bist, an dem dir alle sagen, das geht nicht, buche dir gerne einen Kennenlerntermin und wir schauen uns deine Situation genau an. Gemeinsam finden wir einen Weg, der geht.
Ich freu mich auf dich!
Herzlichst, deine 


