Mehr Verständnis, weniger Hürden: Was autistische Kinder wirklich brauchen!

Heute ist Welt-Autismus-Tag. Ein Tag, der Aufmerksamkeit schaffen soll – doch Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Was wir wirklich brauchen, ist Veränderung.

Mehr Verständnis. Weniger Hürden. Ein echtes Zuhören.

Eltern autistischer Kinder wissen es nur zu gut: Der Behördendschungel ist unübersichtlich, Schulen sind oft nicht vorbereitet, und die Gesellschaft erwartet Anpassung – aber nicht von sich selbst, sondern von den Betroffenen. Das muss sich ändern.

 

Schulen: Inklusion beginnt mit Wissen

Viele Lehrer:innen möchten helfen, doch ihnen fehlen die richtigen Werkzeuge. Was Autismus wirklich bedeutet, wird in der Ausbildung kaum vermittelt. 

Das Resultat? Kinder, die als „schwierig“ abgestempelt werden, weil ihre Bedürfnisse nicht erkannt werden.

Dabei wäre es so einfach: Mehr Schulungen, mehr individuelle Lösungen, mehr Verständnis.

Autistische Kinder brauchen keine Sonderbehandlung – sie brauchen einen Rahmen, der sie nicht überfordert. Stille Rückzugsorte, angepasste Unterrichtsformen, das Wissen, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Inklusion ist kein Konzept für schöne Reden, sondern eine Haltung, die gelebt werden muss.

Die Ständige Kultusministerkonferenz hat es im Juni 2000 zusammengefasst, wie in Schulen mit autistischen Schülern umgegangen werden soll. Leider ist das Dokument bis heute in vielen Schulen gar nicht angekommen. Ich dir hänge dieses Dokument an, damit du dich informieren und auf einer anderen Grundlage mit eurer Schule ins Gesprächen kommen kannst.

 

Ämter & Behörden: Weg mit unnötigen Hürden

Eltern autistischer Kinder verbringen unzählige Stunden damit, Anträge auszufüllen, Beweise zu liefern, sich zu rechtfertigen. Warum ist es so schwer, Unterstützung zu bekommen, die eigentlich selbstverständlich sein sollte? Warum müssen Eltern zu Kämpfern werden, wenn sie doch eigentlich nur eines wollen – das Beste für ihr Kind?

Ämter müssen zugänglicher werden. Weniger Bürokratie, weniger Ablehnung aus Prinzip. Stattdessen: Ansprechpartner:innen, die geschult sind. Eine Sprache, die nicht abschreckt, sondern hilft. Und vor allem: der Wille, Familien zu unterstützen, statt sie auszubremsen.

Aktuelles Beispiel von uns: Mein Sohn wünscht sich seit Sommer letzten Jahres wieder eine Autismus-Therapie. Nach 10 Jahren ohne Therapie hat er den Eindruck, er schafft es nicht mehr alleine. Wir stellten gemeinsam den Antrag. Drei Monate später hat er ein Gespräch mit der Sachbearbeiterin, bei der auch seine Betreuerin anwesend war. Die Betreuerin bekommt vorerst mehr Stunden, damit sie ihn auffangen kann, bis er einen Therapieplatz hat. Weitere drei Monate später kommt die Ablehnung der Therapie mit der Begründung, eigentlich würde sie ihm ja zustehen, aber der Sozialpsychiatrische Dienst sieht nicht, dass eine Therapie notwendig sei. Der Haken an der Sache ist, dass der Sozialpsychiatrische Dienst meinen Sohn nie zu Gesicht bekommen hat. Natürlich haben wir Widerspruch eingelegt. Doch ich frage mich: Warum dieser ganze Kraftaufwand???

 

Gesellschaft: Hört zu, bevor ihr urteilt

„Der ist aber schlecht erzogen.“ – „Die kann doch einfach mitmachen.“ – „Na, so schlimm ist das doch nicht.“ Sätze, die Eltern autistischer Kinder viel zu oft hören. Weil noch immer nicht verstanden wird, dass Autismus nicht nur bedeutet, „anders zu sein“, sondern dass viele alltägliche Dinge enorme Herausforderungen darstellen.

Ein lautes Klassenzimmer. Der Supermarkt mit seinen grellen Lichtern und unzähligen Reizen. Ein unerwarteter Planwechsel. Was für andere kaum spürbar ist, kann für ein autistisches Kind überwältigend sein. Wer das versteht, urteilt nicht vorschnell – sondern fragt: „Wie kann ich helfen?“

 

Mein Wunsch zum Welt-Autismus-Tag

Wir brauchen mehr als nette Worte und bunte Puzzleteile auf Plakaten. Wir brauchen echte Veränderung. In Schulen, in Ämtern, in der Gesellschaft. Autismus ist Vielfalt, keine Störung. Doch damit diese Vielfalt Platz hat, müssen wir Strukturen schaffen, die wirklich inklusiv sind.

Lasst uns damit heute beginnen.

Herzlichst, deine

Schreib mir deine Erfahrungen gerne in die Kommentare oder schicke mir eine Email.

Kultusministerkonferenz + Autismus

 

 

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